"...der Mensch hat das Recht, zu sterben wann und wie er will"
Als erstes eines vorweg: Ich liebe alte Menschen. Ich mag sie um einiges mehr als kleine Kinder, oft sogar mehr noch als Tiere. Und ich achte ihre Lebenserfahrung und Einstellung.
Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber im Allgemeinen bin ich der Meinung, von der Ehrlichkeit, mit der sie sich selbst und ihrem Leben aufgrund ihrer Erfahrungen gegenüberstehen, von dem was viele als „Abgestumpftheit“ oder „Kälte“ empfinden, könnte sich so mancher eine Scheibe abschneiden, denn es ist nichts weiter als das Ergebnis eines langen und erlebnisreichen Lebens. Die wenigsten alten Leute, die noch bei klarem Verstand sind, machen sich oder jemand anderem etwa vor, da sie wissen wie das Leben funktioniert und wie die Rädchen drehen und diese Erfahrung respektiere ich.
Natürlich ist die Arbeit mit alten Menschen nicht immer einfach, da es höhere Gewalten und Krankheiten gibt, mit denen es nicht leicht ist umzugehen. Aber ich bin immer noch der Meinung, wenn man einen guten Tag erwischt – einen an dem das 3. reich und der Krieg kurz einmal verschwinden - kann man mit alten Menschen bessere und tiefere Gespräche führen als mit den meisten jungen und „dynamischen“ Leuten.
Worauf ich hinaus will, ist wohl momentan das Reitzthema überhaupt, wenn man mal von der globalen Erwärmung absieht.
Crowley drückte es mit seinen Worten aus „...der Mensch hat der Recht zu sterben wann und wie er will...“
Natürlich stirbt kaum einer wann er will, das war wohl auch Mister Crowley klar und ich denke auch nicht, dass es so zu verstehen ist. Vielmehr geht es doch darum, seinem Leben ein Ende setzen zu können, wenn man es für richtig hält.
Ich rede hier nicht von Selbstmord nach einer gescheiterten Ehe oder einem Amoklauf nachdem die Kündigung hereingeflattert ist – so etwas ist absolut verachtenswert und hat absolut nichts mit dem zu tun was hier gemeint ist, um das mal ganz deutlich zu betonen!
Es gibt jedoch Situationen, an denen wohl einem jeden Menschen dieser Gedanke schon einmal gekommen ist. Man betrete doch nur einem mal ein sogenanntes Altenpflegeheim, oder besser noch – ein Hospiz . Es gibt dort Zwei Arten von Menschen. Die einen, die um jeden Tag den sie noch haben dankbar sind, denen lasse man ihren Frieden – die meine ich nicht. Es geht mir um die anderen, die in ihren Betten vor sich hinwegstieren und - sogar aus medizinischer Sicht – nichts mehr mitbekommen von dem, was um sie herum geschieht. Und selbst wenn doch, denke ich nicht, dass das die Sache auch nur ansatzweise positiver macht. Wenn jemand in diesem Zustand noch bei vollem Bewusstsein ist, ist es wohl kaum schön, sich füttern, umziehen und die Windeln wechseln zu lassen, wenn man nicht selbst zu irgendetwas in der Lage ist - Nicht einmal dazu sich zu bedanken. Zumal einem Klar sein muss, dass man nicht aus Liebe gepflegt wird, sondern weil es eine Dienstleistung darstellt, für die andere Menschen ihr verdammtes Geld bekommen und sich ihre Brötchen von kaufen.
Natürlich kann man jetzt argumentieren, es gäbe aber Leute, die aus Liebe gepflegt werden und das ist auch richtig. Aber wie muss es wohl sein, zu wissen, dass der Geliebte Sohn oder die Tochter ihr eigenes Leben komplett aufgibt, um einem den Hinter abzuwischen und Hühnerbrühe in den Mund zu schaufeln?
Sollte ich jemals in eine solche Lage kommen – ich werde alles daran setzten, dass dies nicht passiert – kann ich mir nur wünschen durch Demenz oder eine andere Alterskrankheit soweit von der Realität entfernt zu sein, dass ich dieses Misere nicht mehr mitbekomme.