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Kontraproduktivität und BMW Fahrer



Vor einiger Zeit fuhr ich mit einem Bekannten zu später Stunde nach hause, und wir machten halt an einer Tankstelle. Dort stand ein geschniegelter, nagelneu aussehender BMW, Z4 Roadster.

Als wir zum Bezahlen hineingingen, stand der Fahrer besagten Schmuckstückes vor mir in der Schlange und bezahlte gerade ganze 6,62€ für seinen Benzin. Den Rest seiner Auswahl hatte er zurückgehen lassen, da ihm offensichtlich das Geld fehlte. Auch mir fiel auf, dass das Äußere des Mannes mit seinen langen, ungewaschenen Haaren, löchrigem Shirt, Birkenstocklatschen und mindestens-5-Tage-Bart nicht wirklich zu dem seines Wagens passen wollte, aber ich dachte nicht weiter darüber nach. Augenblicklich verwandelte sich die Miene meines Bekannten in Stein und seine Stimmung schlug um.

Er empfand es offensichtlich als persönliche Beleidigung, dass dieser Typ erstens die Dreistigkeit besaß hier und jetzt, vor seiner Nase seinen Wagen abzustellen und zu tanken und dann, zu allem Überfluss auch noch ganz schamlos für 6,62€.

Kaum saßen wir wieder im schalldichten Wagen, begann mein Mitfahrer auch schon lauthals seinem Ärger Luft zu machen und schimpfte auf den BMW Fahrer ein. Als ich irgendwann fragte, was genau ihn so aus der Fassung brachte, stoppte er seinen Redeschwall einige Sekunden, sah mich mit Hochgezogenen Augenbrauen von der Seite an, schüttelte resignierend den Kopf und polterte weiter. Er fand eine erstaunliche Menge unschöner Ausdrücke für ihn und es dauerte tatsächlich den ganzen Heimweg, bis er wieder einigermaßen ansprechbar war.

Zuhause angekommen, versuchte ich es noch einmal und fragte ihn, wo genau eigentlich sein Problem lag. Daraufhin bekam ich einen fast dreiminütigen Monolog über Arroganz, Protzige Idioten, Asoziales Pack, Heuchlerei und „bescheuertes Machogehabe“ zuhören. „Wie kann dieser.... dieser Mensch sich mit so einer Karre da hinstellen, aussehen wie der letzte Penner und dann noch nich mal Kohle zum tanken haben? Und für so was bezahle ich steuern!“ Fauchte er. Ich zuckte nur die Schultern. „Anscheinend kann er, haste ja gesehen... Ist doch aber auch egal jetzt....“ Daraufhin wurde ich in einem erneuten Monolog eines besseren belehrt und erfuhr dass es ihm nicht egal war und dass ihn solche Menschen aufregten, auch wenn ich das offensichtlich nicht verstand. Und da hatte er recht, ich verstand es wirklich nicht.

Das Gespräch drehte sich noch einige Zeit im Kreis indem ich sagte, er solle den „Menschen“ halt lassen, er habe ihm ja nichts getan, wahrscheinlich habe er uns nicht einmal bemerkt. Außerdem sei es das Problem des BMW Fahrers für welchen Luxus er sein offensichtlich nicht vorhandenes Geld ausgab. Steuern zahle er auch für Kirche, Bier, Regen und eine ganze Menge anderen Schwachsinn, das störe ihn offensichtlich ja auch nicht. Ja, da habe ich ja Recht, aber es rege ihn eben auf, maulte er. Auf meine Frage „warum“ es ihn denn so aufrege, wusste er allerdings keine Antwort.

Ich bekam nur die Begründung schlechthin zu hören „Du bist eine Frau – du verstehst das sowieso nicht! Glaub mir, Du kannst das gar nicht verstehen, es ist einfach so.“ Also gaben wir die Diskussion auf.


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Natürlich verstand ich sein Problem, ich habe es einfach nur nicht unterstützt. Ich finde nämlich nicht, diese Art von Neid eine allzu sinnvolle Gefühlsregung ist – zumindest nicht in diesem Fall. Neid oder Missgunst können durchaus nützlich sein, wenn sie uns dazu bringen, uns mehr anzustrengen, den Arsch hoch zu bekommen und etwas zu erreichen.
Kontraproduktiver Neid jedoch bringt uns nicht weiter, er schafft nur schlechte Stimmung und zieht runter. Man sitzt da, regt sich furchtbar auch und meckert, aber etwas zu ändern ist man nicht bereit. Man erwartet wahrscheinlich noch, dass es klick macht das Problem löst sich selbst. In diesem Fall war es genau so. Mein Bekannter fuhr damals einen Corsa – und er fährt ihn heute noch.


Ich für meinen Teil bin eigentlich überhaupt nicht in der Lage so etwas wie kontraproduktiven Neid zu empfinden – jedenfalls erinnere ich mich spontan an keine solche Situation. Wenn eine Person etwas hat, was ich nicht habe und gerne hätte, habe ich zwei Möglichkeiten. Entweder ich weiß, dass sie hart dafür gearbeitet, und es sich verdient hat – dann habe ich keinen Grund neidisch zu sein, weil ich es ihr gönne. Oder ich gönne es ihr nicht und fange an, Mittel und Wege zu suchen, dieses Problem zu für mich zu lösen. Kleiner Tipp am Rande - funktioniert bestens.