Was die Church of Satan betrifft, bin ich (noch) überzeugtes Nichtmitglied. Schlicht und ergreifend weil ich keinen Grund sehe, ihr beizutreten. Wofür soll ich 200 Mäuse hinblättern, um eine kleine rote Karte mit meinem Namen zu bekommen, die ich bei meinem Glück sowieso innerhalb der ersten zwei Wochen wieder verlieren würde. Und nein, es geht mir nicht um die Kohle, sondern um den Sinn. Ich bin der Meinung, wenn man irgendwo beitritt, sollte es aus Überzeugung tun, und nicht nur um dazuzugehören. Man sollte es für sich tun und für niemanden sonst. Und ich für mich sehe einfach keinen Sinn darin. Ich lebe genauso gut ohne und kaufe mir von dem Geld irgendeinen anderen Schwachsinn, den ich wahrscheinlich genauso wenig brauche. Abgesehen davon, stimme ich meiner Meinung nach auch in zu vielen Dingen nicht mit der Ansichten der CoS überein, wobei das als „passives Mitglied“ wohl zweitranig wäre.
Ich halte nicht viel von jeglichen Organisationen, ich bin nirgendwo Mitglied.
Ich stehe einfach nicht auf irgendwelche Vereine, Clubs oder Gemeinschaften. Ich bin eher der Einzelgänger, was das betrifft. Ich gehe nicht zu irgendwelchen Szene-Treffen, auch wenn ich durchaus die Möglichkeiten dazu hätte, bin weder Mitglied in irgendeiner satanischen Internetcommunity, noch brenne ich darauf ständig neue Leute kennen zu lernen, ob es nun "gleichgesinnte" sind oder nicht. Wenn ich dann doch einmal auf einer Veranstaltung, die größer ist als eine Familienfeier, erscheine, muss es schon einen triftigen Grund geben. Die Bands dessen Konzerte ich besuche, müssen schon verdammt gute Musik machen, und die "interessanten Menschen" und Freidenker mit denen ich mich dann doch einmal treffe, müssen schon sehr interessant sein. Generell mag ich keine Massenveranstaltungen und meide sie. Stadtfeste sind mir dabei genauso suspekt, wie irgendwelche Massenveranstaltungen unter dem Pseudonym „Geburtstagsparty“, wo es nur darum geht, wer das schnellste Auto, das kürzeste Kleid, den teuersten Schmuck, das neueste Handy oder die größten Titten hat.
Es gab eine Zeit, da war ich sehr oft auf solchen Partys, immer gern gesehen und meistens gut gelaunt. Ich hatte viele „Freunde“ und jeder lud mich ein. Bis es anfing mich anzuwidern. Dann habe ich aufgehört hinzugehen. Die meisten dieser „Freunde“ verabschiedeten sich dann von ganz alleine, denn ich war nicht mehr anwesend, nicht mehr spendabel und schlichtweg langweilig geworden.
Irgendwann kam dann der Punkt, wo ich einfach nicht mehr eingeladen wurde, weil sowieso allen klar war, dass „die ja sowieso nicht kommt“ – Richtig schön war das...
Natürlich heißt das nicht, das ich soziale Kontakte scheue, oder mich von der Menschheit gelangweilt zurückziehe. Es macht für mich einen riesen Unterschied, ob ich ab und zu mit den Menschen, die mich wirklich interessieren zu einem guten Essen verabrede, mit einem Kumpel einen netten Film schaue, einen Bekannten, den ich lange nicht gesehen habe einen Kaffe spendiere, oder mit den richtigen Leute Nächte lang auf dem Balkon sitze und über Gott und die Welt philosophiere....
Aber wer weiß, vielleicht ändere ich ja meine Ansichten irgendwann einmal und vielleicht findet sich dann irgendwann auch unter meinen Habseligkeiten eine kleine rote Karte mit meinem Namen drauf...
Ich, das Beten und die Bäume
Ich glaube ich war damals 9 oder so und ging mehr oder minder begeistert, das erste mal zum Kommunionsunterricht – es war grauenhaft. Eigentlich stand das für mich schon fest, bevor ich die Kirsche überhaupt beteten hatte. Denn eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust darauf. Ich fand es sinnlos und langweilig und überhaupt waren mir da sowieso viel zu viele Leute. Ich erinnere mich, dass es ganze 10 Minuten der Überredungskunst meiner Mutter brauchte, mich überhaupt aus dem Auto zu bekommen.
In der Kirche war es kalt, laut und unruhig, die anderen Kinder fand ich doof, ich langweilte mich und fror. Kurz gesagt, es war einer der Situationen, die ich bis heute nicht leiden kann und ich weigerte mich, ein weiteres Mal hinzugehen.
Schließlich bot mir meine beste Freundin – sie war damals wie eine Schwester für mich und wir machten sowieso alles gemeinsam - doch mit ihr zusammen hinzugehen. Auf mein fortlaufendes Gequengel, ich wolle aber nicht in so einer riesen Gruppe doofer Kinder, die ich nicht einmal kenne zum Kommunionsunterricht gehen, fand meiner Mutter – und dafür danke ich ihr heute noch – eine Gemeinde mit nur 4 weiteren „Anwärtern“ und meine Freundin und ich trugen uns ein. Sie fand das alles irgendwie sowieso furchtbar spannend und meinte, ich solle mich mal nicht so anstellen und überhaupt würden alle das machen und demnach müsse es doch furchtbar „cool“ sein. Jedenfalls lies ich mich irgendwann mitreißen und ging von da an gerne hin, auch wenn mir nicht selten den Sinn der ganze Sache unerklärlich schien.
Ich erinnere mich besonders an zwei Erlebnisse aus dieser Zeit.
Das erste fand ebenfalls in der Kirche statt, als der Pfarrer uns den Altar und die Messutensilien erklärte. Es ging gerade um das Allerheiligste und er sagte, dass „Gott darin wohne“ und sich deswegen die Ministranten und Pfarrer auch immer davor verbeugten. Natürlich ist mir mittlerweile klar, dass das ganze nur einen symbolischen Wert hat. Im Altar „wohnt“ überhaupt nichts – das ist auch der Grund wieso ich mich, sollte dann doch einmal eine Kirche betreten, weder davor verbeuge noch sonst irgendetwas tue.
Aber wie gesagt, ich war 9 und ich reagierte wie wohl jedes 9 jährige Kind, das zum ersten Mal mit Kirchentheorie konfrontiert wird, mit Unverständnis. Ich fragte, wieso er da so sicher sein könne, dass Gott gerade da drin wohnte und wie denn da überhaupt gehen würde, bei so vielen Kirchen auf der Welt. Daraufhin erklärte er mir dass Gott überall sei. Das war mir vollkommen einleuchtend, und genau da lag für mich das Rätsel. Wieso wohnte ein Gott, der überall war, in einem kalten, steinigen Altar in einer Kirche? Wieso konnte dieser Mann da so sicher sein, dass Gott nicht woanders wohnte? Konnte es nicht auch sein, dass Gott irgendwo draußen in der Natur, in den Pflanzen, Tieren oder in den Seelen der Menschen wohnte? Und wieso wohnte er überhaupt irgendwo, wenn er doch überall war?
Da ich ein Mensch bin, der etwas nicht nur erklärt, sondern auch verstanden haben will, griff ich das Thema bei der nächsten Gelegenheit wieder auf. Es war diesmal ein anderer Pfarrer – den ich im Nachhinein als sehr unfreundlich in Erinnerung habe - und er hatte gerade irgendetwas über das Beten erzählt, als mir eine Idee kam.
Wenn Gott überall war, aber im Altar wohnte dann war es logisch, dass viele Leute zum Beten in die Kirche, das „Haus Gottes“ kamen. Aber wieso musste man dazu in die Kirche kommen? Man konnte doch auch überall sonst beten. Vor einem Baum, an einem Fluss, meiner Meinung nach sogar vor einem Stein. Wieso musste man sich ein künstliches Bild von Gott schaffen, wie Jesusgemälde und Marienfiguren in der Kirche, in denen – da war ich mir sicher – Gott ganz sicher nicht wohnte und diese anbeten? Auf meine Frage folgte erst ein mal eine lange Pause. Dann versuchte der Pfarrer mir sehr umständlich zu erklären, dass es den Menschen leichter fällt an etwas zu glauben, wenn sie es, in Form eines Bildes oder einer Figur, sehen. trotzdem, das reichte mir nicht.
Aber es seien doch nicht alle Menschen so. Es gebe auch Religionen, wo man nicht zum Beten in die Kirche ginge, sondern es auf einem Teppich überall tun konnte. Außerdem wüsste man doch gar nicht, ob Jesus oder Maria wirklich so ausgesehen hätten und es sei doch bestimmt falsch, ein Bild anzubeten, was nicht mit dem Original überein stimme, argumentierte ich.
Das Gespräch verlief noch eine ganze Weile so weiter, an den genauen Wortlaut und Ablauf des Restlichen, kann ich mich jedoch nicht mehr erinnern. Jedenfalls hatte der Pfarrer wirklich gute Antworten und mir viel irgendwann nichts mehr ein und ich sagte, dass es trotzdem logischer sei, einfach raus zu gehen und sich die Natur und ein „Wunder Gottes“ anzusehen und dann zu beten. Man könne sich so die vielen Bilder und Figuren sparen, da unsere welt doch wohl der eindeutigste Beweis für „Gott“ wäre.
Ziemlich entnervt und mit heller Entgeisterung starrte er mich an: „Möchtest du damit etwa sagen, du willst lieber raus gehen und Bäume anbeten?“
Tja... was soll ich dazu sagen? Natülich hätte ich lieber Bäume angebetet, aber das hätte er mir wahrscheinlich sowieso nicht geglaubt. Jedenfalls war für mich eines klar, als ich an diesem Abend ins Bett ging. Mein Gott wohnte definitiv nicht im Altar und auch sonst nirgendwo. Und ich musste auch nicht zu einem Holzkreuz mit einer Holzfigur beten, um mich danach besser zu fühlen. Und wenn das nicht mit dem Gott dieser Kirche vereinbar war, dann wusste ich nicht, was ich noch mit ihm sollte.