Eigentlich kam ich nicht zum Satanismus, wenn überhaupt kam er zu mir. Satanismus ist eine Lebenseinstellung die man entweder hat oder nicht. Meiner Meinung nach leben sogar sehr viele Leute mit dieser Einstellung, nur wissen sie nicht, dass sie sich woanders Satanismus nennt. Manche wissen es auch, aber kämen natürlich nie auf den Gedanken sich als rechtschaffenen Erdenbürger mit so etwas in einem Satz zu verwenden.
Mit dem Christentum jedenfalls, konnte ich schon als Kind nie besonders viel anfangen. Auch meiner Erziehung mag daran nicht unschuldig sein, da niemand in meiner Familie gläubig ist und ich zwar getauft, aber nicht christlich erzogen wurde.
Meine Eltern entscheiden das damals so da es sich, ihrer Meinung nach, im späteren (Berufs)leben recht gut macht, unter Konfession "Katholisch getauft" im Lebenslauf angeben zu können. Ganz Unrecht hatten sie damit wohl nicht - auch wenn ich es schon lange nirgendwo mehr angebe, weil es für mich schlicht und ergreifend wertlos ist. Sie selber sind auch nicht gläubig und haben wohl abgesehen von jener Taufe und gelegentlichen verwandtschaftlichen (Zwangs)anlässen, länger keine Kirche mehr betreten, als ich auf der Welt bin. Auch kirchlich geheiratet haben sie nie.
Das war also der "Grundstein" dafür, dass ich mich schon immer sehr kritisch gegenüber dem Thema Religion verhielt. Wie wohl (fast) jeder heranwachsende Jugendliche, begann ich mich irgendwann mit "Gott und der Welt" und sämtlichen Religionen vom Judentum bis Buddhismus auseinander zu setzten, es schien jedoch einfach nichts brauchbares für mich dabei zu sein. Auch am Thema Esoterik kam ich natürlich nicht vorbei: Ich probierte einiges aus und kam zu dem Ergebnis, zwar einige Dinge die Magie zu tun hatten funktionierten, aber wohl nicht aus den Gründen, die in den Esoterikbüchern angegeben waren. Da ich also nichts brauchbares fand, begann ich irgendwann, mir mein eigenes (Welt)Bild zu machen und stieß unweigerlich auf das Thema Satanismus.
Ich merkte schnell, dass es genau das war, was ich suchte. es war die Philosophie, nach der ich schon lange mein Leben lebte und mit der ich voll und ganz übereinstimmte.
Der eigentlich Auslöser, wieso ich über meine Philosophie zu schreiben begann, war eine Facharbeit, die ich im Fach Religion erstellen wollte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits sämtliche Kirchenkritische Themen, von Hexenverbrennung, und Exorzismus, bis hin zum Verhältnis Jesu mit Maria Magdalena durchreferiert und - oh Wunder - immer miese Noten dafür kassiert. Ich brauchte also etwas neues, etwas wirkliches und entscheid mich kurzerhand für das Thema Satanismus - nicht in Verbindung mit meinem Leben sondern generell. Ich wollte die Möglichkeit nutzen, meine Gedanken zu vertiefen und vielleicht wenigstens einer einzigen Person verständlich machen, worum es dabei wirklich ging. Das Ergebnis war jedoch, dass mich meine Religionslehrerin als vollkommen geisteskrank und wahrscheinlich abgrundtief böse abstempelte und die Betreuung der Facharbeit, die von meiner Schule über den Zeitraum eines viertel Jahres zu schreiben war, hinschmiss. Am selben Tag noch wählte ich das Fach Religion ab. (wie es der Zufall wollte, ging ich später trotzdem noch hin, nur um mir das Geschwafel dieser Person anzuhören, und meinen Senf dazuzugeben - aber das ist eine andere Geschichte.)
Jedenfalls durfte ich mir nun einen anderen Betreuer suchen, was gar nicht mal so einfach war, wie ich schnell feststellte. Das war das erste Mal, das ich wirklich begriff, was die Leute mit Satanismus in Verbindung brachten, und wie sie reagierten. Ich sollte vielleicht dazu sagen, dass es damals die Zeit war, als der Hype um Satan so richtig losging und fast jeden Tag aufs neue Gruselgeschichten über zerstückelte Leichen und menschenfressende, bluttrinkende, jungbauerschändende Satanisten in einschlägigen Klatschblättern erschienen. - Perfektes Timing also, um an meiner Schule einen 20 minütigen Vortrag - natürlich mit passender Raumdeko, und Themenbezogenem Ausstellungsstand - über das Thema zu halten.
Schließlich fand ich dann doch noch eine kooperative Betreuung und bekam dank ihr sogar die Erlaubnis, den Vortrag und Raum nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Natürlich nur unter der Prämisse, dass ich die schwarzen Kerzen nicht anzündete, da "offenes Feuer in geschlossenen Räumen, mit Menschenansammlungen" gegen die Schulordnung verstoße und ja die Gefahr bestünde, dass ich die Schule abfackelte. - Meinetwegen, wenn das alles war...
Was soll ich sagen? Der Vortag schlug ein und die Kritik hinterher umso mehr. Selbst meine Mutter, die mich tatkräftig in meinem "Kampf" unterstützt hatte, durfte sich nicht nur einmal rechtfertigen. Sie hatte viele meiner Bücher über Satanismus inzwischen selbst gelesen und verstand das Problem wohl noch weniger wie ich. Die arme erklärte daraufhin ziemlich verdutzt, dass sie sich sicher sei ich würde weder Hamsterblut trinken, noch mit irgendwelchen Sekten bei Vollmond Gräber schänden - und ja, sie sei von ihren Erziehungsmethoden überzeugt, sie habe ja nicht umsonst Pädagogik studiert.
Ich fand das alles ziemlich amüsant - ich hatte schließlich was ich wollte. Und die wenigen Leute, die hinterher zu mir kamen oder mich anriefen, um sich meine Arbeit auszuleihen und Internetadressen und Bücher für Informationen erfragten (zugegeben, es waren die, von denen ich wusste dass sie etwas im Kopf hatten und somit auch nichts anderes erwartet hatte) bestätigten meinen Standpunkt.
Von dann war ich zwar in meiner Schule - hinter vorgehaltener Hand - als Satanist verschrien, dennoch traute sich irgendwie keiner, mir seine ach so negative Meinung ins Gesicht zu sagen - denn wer wusste schon genau, mit was für Dämonen ich verkehrte?
Mittlerweile bin ich lange aus der Schule raus, aber dennoch erinnere ich mich oft an dieses Erlebnis und denke, es war ein wesentlicher Schritt auf meinem Weg dorthin, wo ich jetzt bin.
Ich belustige mich heute noch gerne darüber und würde es jeder Zeit wieder machen, wenn auch weniger um der "Aufklärung" als um des Spaßfaktors Willen.
Benotet wurden Arbeit und Vortag von meiner Betreuungslehrerin übrigens mit "sehr gut" - wenigstens eine, die begriffen hatte worum es ging.