Da ich auf dieser Site wirklich zu jedem Mist meinen Senf dazugebe, find ich es nur angebracht, auch meinen Standpunkt und meine Weltansicht kurz zu erläutern.
Gott
Wie dem aufmerksamen Leser ja sicherlich nicht entgangen ist, glaube ich nicht an einen von Menschen erschaffenen und vorgegebenen Gott.
Ich lehne einen "allmächtigen" Gott schon deshalb ab, weil ich es für recht einfällig halte, einen "Pauschalgott" einmal quer über die halbe Menschheit herabzubrechen, in der Hoffung, das schon für jeden etwas dabei sein wird. Ein allmächtiger Gott kann meiner Meinung nach nicht ausreichend personifiziert werden, denn dann ist es mit der Allmacht hinüber und jeder backt doch seinen eigenen Kuchen.
Auch die Existenz eines für sich selbst erschaffenen „Gottes-“ oder "Geisterwesens", also einer Art "Götterparterns" oder einer anderen Altarnative zum allmächtigen Gott, sehe ich keinen wirklichen Sinn.
wie kann mich ein solcher weiter bringen? Was kann ein für mich selbst tun, was ich nicht alleine, ohne ihn kann? Wo kann er mich hinbringen, wo ich nicht aus eigener Kraft hingelange, wenn er und ich nur zwei Facetten der Selben Person sind, weil ich ihn personifiziert habe? Mit anderen Worten, was kann er mir geben, was ich allein nicht erreiche, wenn er durch mich erschaffen wurde und somit eins mit mir ist? Es sei denn natürlich, dieses Götterwesen hegt eine vollkommen eigenständige Existenz. Unabhängig von der jeweiligen Person, bzw. von mir. Dann wäre es erklärbar. Dann stellt sich allerdings wieder die Frage nach der Personifizierung und danach, wieso ich überhaupt ein „eigenständiges Wesen“, Geist, Kraft oder was auch immer, zu meinem „Partner“ machen sollte und wo dann die eigene Göttlichkeit ihren Platz hat.... Wenn jemand meint, mir dieses Phänomen plausibel und nachvollziehbar erklären können, nur zu....
Satan
Ich verneine also jegliche Existenz eines Wesens oder einer Gottheit, die über mir steht. Somit glaube ich auch nicht an "Satan" als Wesen oder Person. - Ich bin mein eigener Gott und das ist mir Person genug. Für mich ist "Satan" viel mehr ein Schema, eine Sichtweise, eine Tatsache oder eine Kraft. Ich berufe mich somit auf den "Teil" Satans, der auch als Seth bekannt ist, dem wiedergöttlichen Prinzip also.
Das bedeutet, um es mal aus LHP Perspektive zu beschreiben, ich betreibe keine Form von "religiösem Satanismus", huldige niemandem, bete nicht, betreibe keinen Kult und lehne jegliche Form von rituellem Schnickschnack für eine Personifizirung dieser Kraft ab. Was aber nicht heißt, dass ich solche Formen des Satanismus nicht ebenfalls respektiere. Ich urteile nicht darüber und sehe sie weder als besser, noch als schlechter an - für mich haben sie sich eben einfach als Trugschluss erwiesen.
"Satan" ist für mich - um einmal Goethe zu zitieren - "ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft". "Satan" ist für mich das, was den Menschen zum Menschen macht und ihn somit vom Tier unterscheidet. Was jetzt aber bitte nicht heißen soll, dass ich Tiere als niedere Wesen betrachte! Im Gegenteil, der Mensche vergesst oft, dass er selbst auch nur Tier ist – eines unter vielen.
Der freie Wille im determinierten System, Vorbestimmung, Schmetterlingseffekt und Chaostheorie
Dennoch hat die Spezies Mensch im Laufe der Evolution ein paar überaus nützliche Eigenschaften errungen, von denen sie mittlerweile kaum noch Gebrauch macht. Dazu gehören vor allem eigenständiges Denken und Handeln, die Fähigkeit zur Reflexion und ein (innerhalb des Systems) freier Wille.
Und genau darum geht es. Ich bin sehr wohl der Meinung das dieser freie Wille existent ist, natürlich nur im Rahmen des Systems Universum. Der Mensch hat die Fähigkeiten frei zu denken, zu entscheiden und zu handeln. Diese werden jedoch zweifellos von den Naturgesetzen des Systems determiniert, wie bei allen Wesen dieses Universums. Eine Kuh zum Bespiel könnte nicht fliegen, wäre ihr Wille auch noch so frei und selbstständig. Sie könnte es nicht, weil es nicht im System vorgesehen ist, weil es für sie keinen Sinn macht, weil sie es nicht braucht. Das ist naturgegeben und somit eine Vorgabe das Systems in dem wir leben. Und das ist der Punkt, den gläubige Menschen mit „Gott“ erklären. Die Kuh fliegt nicht, weil Gott es so wollte. Aber braucht man dazu einen Gott? Meiner Meinung nach nicht....
Dies ist auch der Grund wieso viele Beschreiter des linken Pfades an Vorbestimmung, also Determination glauben und die Existenz eines freien Willens somit von Vorne herein ausschließen.. Ich tue das nicht. Ich denke sehr wohl, dass der Mensch einen freien Willen besitzt und sich innerhalb dieses Systems frei bewegen, entfalten und entscheiden kann. Ich glaube nicht an das Schicksal und auch nicht an Vorbestimmung. Natürlich gibt es Dinge die einfach nicht sein sollten oder genau so passieren mussten, das kennt sicher jeder. Aber vielleicht irre ich ja, und zumindest diese Dinge waren vorbestimmt – oder es ist wirklich einfach nur Zufall....
Meiner Meinung nach kann also jeder sein Leben selbst und in gewissen Rahmen frei bestimmen. Dennoch bin ich sicher, dass ein Ereignis das Andere nachzieht, wenn A so handelt, reagiert B dementsprechend und C verhält sich dazu konform (Schmetterlingseffekt). Die Räder das Systems greifen ineinander. Dies liegt aber wohl eher am (Sozial)Verhalten, der einzelnen Spezies und weniger an irgendeiner von Außen einwirkenden Bestimmung. Wobei das System in sich sicherlich in irgendeiner Weise determiniert sein muss da es sonst nicht funktioniert.
Ergänzung:
Selbst die Quantenphysik sagt, dass reale komplexe Systeme nicht Vorhersehbar sind, da erstens, keine ausreichende Messgenauigkeit existiert und sie zweitens, prinzipiell, also Naturgemäß nicht determiniert sind, da Ort und Impuls nicht zugleich bestimmbar sind (heisenbergsche Unschärferelation) Da diese Unschärfe bei chaotischen Systemen exponentiell steigt, erreicht sie irgendwann eine Größe, die eine entsprechende Wirkung nach sich zeiht. So ist bewiesen, dass ein reales System nicht im klassischen Sinn deterministisch sein kann, wie es bei den reinen Zahlenmodellen der Mathematik der Fall ist.
Das Tier und seine Instinkte
Dazu spielen natürlich auch unsere Instinkte, Prägungen und anerzogenes Verhalten eine Rolle, nämlich das, was Umgangssprachlich als „Charakter“ bezeichnet wird. Der Charakter eines Menschen ist genauso wenig vorbestimmt, sondern wird durch das Umfeld (insbesondere Eltern und Familie), die Erziehung, eigene Erfahrungen und die Gesellschaft geprägt. Ein und das selbe Kind kann sich an zwei verschiedenen Orten der Erde völlig unterschiedlich entwickeln – da sehe ich keine Vorbestimmung.
Daher sehe ich es auch als falsch an, den Charakter eines Menschen (oder den eigenen) verändern zu wollen. Dazu hat man selbst erstens zu wenig Einfluss darauf und zweitens sind der Charakter und die Wesenszüge doch genau das, was das Individuum ausmacht. Dazu gehören die „guten“ genau wie die „schlechten“ Eigenschaften, wobei ich schon lange aufgehört habe, in diese Kategorien zu unterteilen. Natürlich gibt es anerzogene Wesenzüge, die einem im Laufe des Lebens oder im sozialen Umgang mehr hinderlich als förderlich sind, die sollte man etwas zurückstellen (da sind wir wieder beim freien Willen - Kontrolle hießt diesmal das Zauberwort). Keinesfalls sollte man jedoch versuchen, sie „abzutrainieren“ oder zu verändern.
Der Baum der Erkenntnis
Natürlich kann man jetzt argumentieren, hauptsächlich bestimme der Charakter und der Instinkt, also das anerzogene, das Handeln und den Willen, womit er wiederum nicht mehr wirklich frei wäre. Dem stimme ich zu. Deswegen kommen jetzt zum wirklich essenziellen Punkt, der Erkenntnis (der nette Baum in der Bibel trägt schließlich nicht umsonst diesen Namen). Erst wenn sich der Mensch der Existenz seines eigenen, freien Willens bewusst wird und somit seine eigene Göttlichkeit erkennt, kann er ihn wirklich nutzen.
Der Mensch ist ein Instinktwesen, kann diese Instinkte aber mithilfe seines Willens kontrollieren. (Man siehe dazu z.B. die Shaolin Mönche, die einzig mit ihrer Willenskraft „menschenunmögliche“ Dinge vollbringen können.) Und diese Kontrolle ist es, die für mich den Menschen ausmacht. Seine Instinkte bewusst ausleben oder zurückstellen zu können, verschafft nicht nur ungemeinen Vorteil in der Situation, sondern lässt den Menschen eben „Gott“ sein. Die Erkenntnis dass dieser freie Wille existiert, ist für mich essenziell. Sie ist der erste Schritt zur Selbstvergöttlichung – im übertragenen Sinne der erste Schritt zu Satan. Das system mag determiniert sein – aber die einzelnen Komponenten innerhalb sind frei, wenn sie diese Freiheit erkennen und in Anspruch nehmen.
Auch Crowley erkannte dies, wobei sich die „Disziplinierung“ sicherlich verschieden auslegen lässt:
„Die Erkenntnis seines wahren Willens muss der Mensch sich erarbeiten, u.a. durch Disziplinierung seines Denkens und schonungslose Prüfung all seiner Glaubenssätze.“
„Denn reiner Wille, unbefleckt von Zweck, befreit von der Gier nach Ergebnis, ist in jeder Hinsicht vollkommen.“
Diesen Willen gibt es meiner Meinung nach jedoch nicht, da nur das System selbst ohne diese „Gier“ funktioniert, was aber wiederum in ihm selbst begründet und somit nicht „unbefleckt von Zweck“ ist.
Das Werkzeug Verstand
Zur Erfüllung Dieser Komponente ist der Verstand ein weiteres wichtiges Werkzeug, den man ebenfalls bewusst gebrauchen sollte. Er lässt uns die Welt ordnen, einteilen und unsere Realität kategorisieren. Gut und böse, hell und dunkel, Ying und Yang, Tag und Nacht, Mann und Frau.... All dies Schemen helfen uns, die Realität zu begreifen und mit ihr Umzugehen. Auch das nachlassen das Verstandes im Alter (Demenz oder Alzheimer) ist naturgegeben und wichtig, da es uns unter anderem hilft den näherrückenden Tod zu akzeptieren, anzunehmen und eben nicht nur verstehen zu wollen.
Denn was „die Seele“, das Wesen, den Geist – nenne man es, wie man wolle – eines Menschen betrifft, bin ich mir zwar dessen Existenz sicher, nicht aber dem, was nach dem Tod und Verfall des Körpers passiert. Der Gedenke der Rehinkanation ist mit Sicherheit verlockend, zumal alles, bis zum System selbst, einen Zyklus beschreibt.... Aber auch das ist eine Sache, die außerhalb des Versandes liegt...
Dies ist also das Weltgefüge, dass sich im Laufe der vergangenen 20 Jahre aus meinen Erfahrungen, Prägungen, meiner Umwelt und Erziehung und vielleicht ein bisschen freiem Willen, für mich ergeben hat. Ich erhabe weder Anspruch auf Richtigkeit, noch verurteile ich anders denkende. Ich sehe mich und diese Ansicht weder über, noch unter einer anderen. Weder kann ich darüber urteilen, noch möchte ich es.
Ob diese Schemen und Ordnungen nur für mich existieren, oder auch außerhalb des Systems, ob es eine Realität gibt oder viele, kann ich nicht sagen. Vielleicht ist das System so komplex und die Determinationen so vielschichtig, dass der „freie“ Wille innerhalb wirklich nur Illusion ist, oder vielleicht das ganze System.
Vielleicht ist die Wirklichkeit selbst nur Illusion und die Matrix hat sich verselbstständigt.... ... All das liegt außerhalb des Verstandes und das ist auch gut so. Es ist zu komplex als das es vom menschlichen Versand jemals wirklich begriffen werden könnte. (Die wenigen Menschen, die eine Ansatzweise Vorstellung des Ausmaßes erfahren haben, begehen entweder Selbstmord oder landen in Psychiatrien.... So ein Zufall) Weil es nicht im System vorgesehen ist, weil es für einen Menschen keinen Sinn macht, diese Dinge zu verstehen, weil der Mensch sie nicht braucht - genau wie die Kuh das Fliegen....
Technik – Ausweitung der Grenzen
Der Mensch hat es im Laufe der Evolution geschafft, mithilfe von moderner Technologien, die Grenzen des Systems soweit auszudehnen, dass er die Naturgesetze zeitweise „ausschalten“ kann, bzw. ihre Relevanz auf ein Minimum verringern.
Wir spielen Gott. Wir vermehren Zellen, lassen menschliche Ohren auf Mäusen wachsen, klonen Schafe, Spazieren über den Mond, verändern unsere Geschlechter und zerstören dabei ganz nebenbei unseren Lebensraum und unsere Existenz – von der anderer Lebewesen mal ganz abgesehen.
Vielleicht ist all das ja im System vorgesehen – da ich aber nicht an eine so weit reichende Determination glaube, fällt diese Entschuldigung für mich flach.
Dennoch mache ich mir darüber nur mäßige Sorgen. Es liegt wohl einfach in der Natur des Menschen, die Sache mit der eigenen Göttlichkeit etwas zu wörtlich zu nehmen. Lassen wir ihn doch seine Luftschlösser bauen, wen stört’s? Denn schließlich hat jedes „schlecht“ auch ein „gut“ – man muss nur lange genug suchen...
Sollte es der Natur und dem System Universum irgendwann einmal zuviel und wirklich bedrohlich werden, gibt es mit Sicherheit den Selbstschutzmechanismus und - Zack – das war’s. Davon bin ich überzeugt.
Gut und Böse
Wie schon erwähnt ist diese Kategoriedenken für mich rein auf die menschliche Spezies bezogen und erfüllt ausschließlich den Zweck des Begreifens, Handhabens und Umgehens – Sympathie und Antipathie. Für das System spielt all das keine Rolle, da es eins ist. Wie Gott erst die Erde erschuf, dann Adam aus Erde und Eva aus dessen Rippe formte, Satan die Schlange, Erde frisst und selbige Rund ist - Es ist alles eins. Das gleiche, einheitliche System. Tag oder Nacht, Warm oder Kalt sind nur seine Facetten, frei von jeglicher Wertung, nur dazu da, ihren Zweck zu erfüllen.
Ich teile ebenfalls in Kategorien – schließlich gehöre ich nun mal zur Spezies Mensch. Ich teile in „mag ich“ und „mag ich nicht“, „finde ich gut“ und „finde ich nicht gut“, „ja“ und „nein“, mit meiner ganz persönlichen Wertung, nur dazu da ihren Zweck zu erfüllen.